29.02. 02.03. 03.03. 05.03.
07.03. 09.03.
10.03. 11.03. 12.03. 13.03. 13.03./2


Der erste Tag in Israel

Es war ein Montag und ein faschingsähnlicher Feiertag. Nachdem wir halbwegs ausgeschlafen hatten, gingen wir mit unseren Israelis in die Schule, wo wir dann, da "Fasching eh nur was für kleine Kinder ist" (Zitat einiger Israelis), ein wenig in der Sonne lagen. Danach wurde mit viel Handy und Hin und Her organisiert, daß wir alle zusammen in den nächsten Einkaufsort (Hadera) zum Shoppen fuhren. Der Unterschied zu einem berliner Shopping-Center lag wohl nur in der Taschen- und Personenkontrolle am Eingang. Da wir aber kein israelisches Geld besaßen und uns auch unsere Pässe nicht zur Verfügung standen, war nicht allzuviel mit einkaufen.
Wieder zu Hause wurde dann mit tausenden von Anrufen die Party für den Abend geplant. Aus den anfänglichen Kommunikationsproblemen zwischen Deutschen iund Israelis, die sich darin äußerten, daß man sich in weißen Plastikstühglen gegenübersaß und nicht wußte, was man tun sollte, wurde dann etwas später doch eine ganz nette "Party".
Konny & Volker

2.3.1999

Um 7.30 trafen wir uns alle an der Schule zu unserem ersten Ausflug. Viele Israelis hatten sich trotz Schulfrei auch aus dem Bett gequält, um uns zu verabschieden. Auf der Busfahrt in den Süden machten wir viele Stops, bei denen Micha, unser netter Tour-Guide, uns sehr viele interessante Dinge erzählte. Ein Stop war z. B. auf dem Ölberg, von wo man einen wundervollen Ausblick über Jerusalem hat. Außerdem hielten wir auch an der Herberge zum barmherzigen Samariter und Herr Riegel las uns die entsprechende Bibelpassage vor. Unsere Fahrt führte uns auch durch die Judäische Wüste und durch das Westjordanland. Nach mehreren Stunden anstrengender Busfahrt erreichten wir die Oase "En Gedi", die in der Nähe des Toten Meeres liegt. Inzwischen war es so warm geworden, dass wir uns alle kurze Sachen anzogen, Nachdem wir einige Zeit durch die Berglandschaft der Oase gewandert waren, kamen wir zu einem kleinen Wasserfall, der eine warme und eine kalte Seite hatte und ein paar Mutige stürzten sich sofort ins kühle Nass. Danach ging es weiter zum Toten Meer, was nur einige Busminuten entfernt ist. Hier bekamen wir einige Stunden Freizeit. Die meisten stürzten sich sofort ins Wasser und ließen sich auf der Oberfläche treiben. Lange hielt es jedoch keiner im Wasser aus, da das Salz sehr auf der Haut brannte. Einige Mädchen glaubten an die Heilkraft des schwarzen Schlammes und schmierten sich damit von Kopf bis Fuß ein, was die Anderen sehr amüsant fanden. Am Abend führen wir dann in eine Jugendherberge, die am Fuße der Festung Massada liegt, und übernachteten dort.
Lisa & Florian,

03.03.1999

Die Nacht hatten wir in einer Jugendherberge am Fusse des Felsplateaus verbracht, auf dem Massada vom jüdischen König Herodes errichtet worden war. Um die schwerzugängliche Festung zu erreichen gibt es nur 3 Möglichkeiten: Man kann zu Fuss über den Schlangenpfad gehen, der sich an der Ostseite des Felsens befindet, mit der Seilbahn vom Fusse der Klippe bis auf die Festung fahren oder zu Fuss über die Rampe an der Westseite laufen. Wir wählten die dritte Möglichkeit. Wir brachen direkt nach dem Frühstück auf, um mit dem Reisebus auf das gewaltige Felsplateau und zur Rampe zu gelangen. Die Rampe ist vom römischen Feldherr Flavius Silva errichtet worden, nachdem sich im Jahre 70 nach Christus ca.900 streng gläubige Juden auf Massada, die als sicherste Festung in Judäa galt, verschanzt hatten. Durch die Rampe konnten die römischen Soldaten mit ihren Rammböcken die Festungsmauern erreichen. Nach 2 Jahren der Belagerung konnten nun die Römer endlich Massada erklimmen. Allerdings fanden sie keine Juden mehr vor, da sich diese kurz vor ihrer Niederlage selbst getötet hatten um der Versklavung zu entgehen. Am unteren Teil der Festung im Berg gab es riesige Höhlen in denen Wasser zur Versorgung der Festung gesammelt worden war. Wir besichtigten eine dieser Höhlen und stiegen dann die vielen Stufen nach Massada auf, Unser Reiseführer erklärte und zeigte uns viele Dinge, wie zum Beispiel die Ruinen der Thermen und Bäder, die Festsäle, Synagogen und Vorratsräume. Um alles zu besichtigen hatten wir keine Zeit, aber nachdem wir das Wesentliche gesehen hatten begannen wir den Abstieg zu unserem Bus. Dort bekamen wir unsere Lunchpakete ausgehändigt und fuhren mit dem Reisebus nach Eilat, das wir gegen 18.00 Uhr erreichten. Nach einem Abendessen im Hotel hatten wir Freizeit, die manche nutzten um die Stadt zu besichtigen oder an den Strand zu gehen. Gegen 1.00 Uhr befanden sich jedoch alle wieder im Hotel.
Von Anne-Marie und Nadine

Tagesbericht vom 5.3.99

Früh am Morgen begann der Tag, was für die meisten ein Problem war weil der vorherige auch früh am Morgen geendet hatte. Der gute Herr Riegel war es welcher so um sechs Uhr herum bei uns in der Zimmertür stand und uns antrieb schnellst möglich zum üppigen Frühstücksbüffet zu gehen, um unseren Anteil daran noch vor einer Gruppe Araber abzugreifen. Danach mit gepackten Sachen vor den Bus, dann in den Bus und los. Die Busfahrt bestand nun aus schlafen oder schöne Landschaft bewundern, wobei meiner Meinung nach schlafen definitiv Priorität hatte. Im laufe der Busfahrt passierte nichts außergewöhnliches, bis auf unsere zwei Besichtigungsstops. Zum einen gibt es da diesen Kibbuz "Ben Gurion", wo der Mitbegründer des modernen Staates Israel B. Gurion einen Teil seines Lebens verbrachte. Diesen Kibbuz haben wir also besichtigt und uns danach weiter auf den Heimweg gen Pardes Hanna gemacht. Der wurde nur noch einmal durch den Halt an einem riesigen Krater von einigen Kilometern Durchmesser unterbrochen. Nach dem wir auch dieses Naturphenomen hinter uns gelassen hatten, hatten wir nur noch wenige Stunden Fahrt von uns und konnten bald unsere Gastgeber wiedertreffen. Mit ihnen verbrachten wir den Nachmittag und trafen uns dann am Abend um alle gemeinsam zum zweiten mal Bekanntschaft mit den Gartenstühlen zu machen, deren große Bedeutung im Nachtleben der Jugendlichen von Pardes Hanna wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht einzuschätzen wußten.
Da saßen wir nun also auf den uns immer vertrauter werdenden weißen Plastikmöbeln im Garten von dem netten Jungen mit den langen Haaren und den vielen Metallsteckern im und am Kopf und tauschten international aus.

7. März 1999

Um 7.30 Uhr war, wie fast jeden Morgen, Treff an der Schule. Die Abfahrt allerdings verzögerte sich auch wie immer um eine halbe Stunde, da immer irgend jemand zu spät kam. Einige der Israelis fuhren mit ihren Klassen an diesem Tag ebenfalls in die Golanhöhen, allerdings für einen 3-Tages Trip. Der erste Stop, hervorgerufen durch ein dringendes Bedürfnis, diente auch dazu, daß Nina ihr Referat halten konnte, zwischen Bus und Poststätte, wo pausenlos neue, lärmende Reisende vorbeikamen. Unser zweites Ziel war die heilige Stätte am Jordan, und zwar genau da, wo Jesus von Johannes dem Täufer getauft wurde und wo auch noch heute immer wieder riesige Menschenmassen hinpilgern, um sich dort taufen zu lassen. Als nächstes war eine längere Golanhöhenwanderung angesagt, mit Micha natürlich, der uns in der Mittagshitze durch kleine Bache, an Kuhweiden vorbei führte, währenddessen wir die ganze Zeit unter einer Raupenplage zu leiden hatten denn sobald man stehenblieb, hatte man irgendwo am Körper eine Raupe krabbeln. Das wurde dann auch besonders am Wasserfall bemerkbar, wo wirPause machten, aber nicht baden durften, da wir keinen Rettungsschwimmer dabei hatten. Unsere Abfahrt verspätete sich dummerweise um eine halbe Stunde, da ein paar Leute (nicht von unserer Gruppe) unbedingt noch baden wollten und den Rückweg nicht fanden.
Den 4. Stop machten wir an einem ehemaligen militärischen Stützpunkt, von dem man Aussicht auf den höchsten Berg der Golanhöhen (Hamon), die syrische Grenze, eine Syrische Stadt und einen Vulkankrater hatte. Danach wollten wir eigentlich noch zum Denkmal der gefallenen Soldaten, aber die Straße war gesperrt. Unser letztes Ziel war der Poleomagnetic Place, ein Stein bei dem der Nord- und Südpol vertauscht sind und somit, wenn man einen Kompaß daran halt, der Zeiger seine Richtung wechselt. Unser Versuch schlug aber fehl.
Auf dem Rückweg hielt unser Bus noch einmal vor einem Falaffelstand, dessen Besitzer sich bestimmt gefreut hat, da wir dort alle Falaffel gekauft haben.
Um 20.30 Uhr kamen wir dann wieder in der Schule an.
Anja & Kathi

9.3.99

7:30 Uhr, todmüde: Abfahrt, Bus, schlafen, schade um die schöne Landschaft. Nach der Ankunft in Tel Aviv, welches am heutigen Tage unser Zielort war, durften wir sofort ein tolles Museum besuchen (Israel-Museum). Dort erster Tagesordnungspunkt wie immer nach langen Busfahrten: Besuch der Toiletten.
2. Rekonstruierter, traditioneller, orientalischer Basar.
3. Ein Glaspavillion mit Raritäten und exklusiven, modernen Gläsern.
4. Keramik mit Raritäten und exklusiver, moderner Keramik.
5. Ein rekonstruiertes, altes Wohnhaus aus der Zeit der Philister mit vielen interessanten Gegenständen aus der Epoche.
6. Ein Besuch bei einem unendlichen langweiligen Postmuseum ( z.B. alte Briefmarken und ein Postauto). Danach konnten wir uns noch auf der museumszugehörigen Grünanlage sonnen, um uns auszuruhen und uns psychisch auf den nächsten Punkt unserer Besichtigungsliste vorzubereiten,(einige von uns lernten auch pubertierende Israelis kennen).
Alter Stadtteil von Tel Aviv (3000 Jahre alt) .... kleiner Spaziergang durch die hübschen kleinen Gassen. Danach die langersehnte Freizeit auf einem arabischen Flohmarkt, auf dem alle nach Herzenslust feilschen und kaufen konnten, was allgemein genossen wurde. Anschließend noch mehr Freizeit(!). Einige gingen weiter "shoppen", ein Großteil aber sammelte sich am Strand, um zu baden, zu frieren, oder sich gegenseitig den Sand in die Kleidung zu stopfen (aus welchem Grund auch immer).
Danach: Abfahrt... Ankunft... Familie ... Essen ... usw... Rückblickend war es ein schöner, angenehmer und entspannter Tag.
von Lucja und Ira

10.03.99

Geliebte IsraelmitfahrerInnen, wir schreiben den 10,03.99 und Euch einen Reisebericht dieses Tages.
Wir haben heute Haifa - seines Zeichens Israels größte Industriestadt - besucht. Es befindet sich zwischen der gleichnamigen sichelförmigen Bucht und dem grünem Karmelberg. Es hat eine Viertelmillion Einwohner und ist somit die drittgrößte Stadt des Landes. Aufgrund der dort vorherrschenden liberalen Einstellung und der traditionell sozialdemokratischen Regierung wird Haifa auch die rote 5tadt* genannt. Imposant und das Stadtbild prägend ist vor allen Dingen der Hafen und die großzügigen Grünflächen lachen.
Wie Euch sicher noch in bester Erinnerung ist, haben wir unseren ersten Stop bei dem Tempel der Bahai-Anhänger gemacht. Die Bahai behaupten von sich selber, eine Religion und keine Sekte zu sein, aber einiges deutet auf das Gegenteil hin. Zum einen der leicht esoterisch angehauchte Sprachgebrauch der örtlichen Priester' ( Öffnet Eure Herzen , - Sektenjargon für Portemonnaie) und zum anderen das strikte Verbot, selbständig die Struktur der kleinen Gemeinde kennenzulernen. Eines allerdings ist zu bewundern: der vielseitig angelegte Tempelgarten, der seinesgleichen an Pracht und Farbe sucht, sowie die trotz häufiger Frequentierung unsererseits tadellosen Toiletten. Die weltweit sechsmillionen Bahaisten können wirklich mit Stolz und Ehrfurcht an ihre Tempel-WC's denken.
Der nächste Punkt auf der Liste der zu besichtigenden Altertümer war das Karmeliterkloster. Schon Napoleon und die Verwundeten seiner Feldzüge (Stichwort: Napoleonkomplex) schätzten die dortige Ruhe und Entspannung vom anstrengendem Plündern und Erobern. Daß ersterer letztere angesichts des anrückenden Osmanenheers zurückließ, war sicherlich kein feiner Zug von M. Bonaparte, gab uns aber die Gelegenheit, das Denkmal der anschließend Dahingemeuchelten zu besichtigen. Dafür ein kleines Dankeschön nach Frankreich.
Als nächstes mußten uns unsere müden Füße durch einen der wenigen Naturvölker Israels tragen, der vor wenigen Jahren einer Brandstiftung (eine frustrierte Schülergruppe?) zum Opfer fiel, sich aber prächtig regeneriert, wie uns unser Reiseführer mitteilte, und was uns einen herrlichen Ausblick garantierte.
Ein Erlebnis ohnegleichen war auch unser Einkaufsbummel im Drusendorf, in dessen Erwartung sich unsere konsumfreundlichen Seelen schon vorzeitig gen Himmel streckten. Bedauerlicherweise Überschnitt sich das Angebot der Läden und beschränkte sich im wesentlichen auf orientalisch getrimmten Kitsch für Touristen (kurioserweise fast ausnahmslos "made in Spain" ).
Unsere heiteren Seelen stimmte das indess nicht traurig , stand uns doch noch die Besichtigung der Höhlen von Elias in Aussicht, wie so oft in Israel das Heilligtum dreier Religionen. Warum die Höhlen für Juden und Mohamedaner heilig sind, ist uns leider entfallen (das wirklich schöne Panorama wäre der rationalste Grund), der Grund der Christen hat uns aber dann doch beeindruckt: eine Art Wettkampf der Religionen, bei dem Dabeisein leider nicht alles war. Daß der Spielführer (sprich der Gott) der Mannschaft von Baal demjenigen der Christen hoffnungslos unterlegen war, sahen letztere als Grund, ihre 450 (!) Sportsfreunde' um die Ecke zu bringen. Dieser Massenmord machte den gewissen Herrn Elias berühmt und uns ein wenig wütend.
Von Jörg und Katrin

11. 03. 1999

Ab 7.30 Uhr trudeln alle in der Schule ein. Heute ist Pünktlichkeit nicht so wichtig, denn es wartet kein Bus auf uns und die israelischen Schüler fangen erst zur dritten Stunde mit dem Unterricht an. Die ersten beiden Stunden sind für die Schüler der 36 landwirtschaftlichen Schulen Israels frei. Alle Lehrer dieser Schulen beteiligen sich an einem Probestreik. Die finanzielle Situation der Schule, die in unseren Augen mit 1800 Schülern riesengroß ist, kann nur als sehr miserabel bezeichnet werden.In Israel ist die Beteiligung des Staates im Bildungswesen noch viel geringer als in Deutschland. Viele sind der Meinung, daß die rechtsorientierte Regierung den größten Teil ihres Geldes in die Religion und eigene Interessen investiert. Nun sollen den landwirtschaftlichen Schulen weitere 40% ihres Etats gestrichen werden. Dies würde bedeuten, daß die ca. 130 Internatsplätze gänzlich entfallen und der landwirtschaftliche Teil drastisch reduziert werden müßte. Um 8.00 Uhr sind wir endlich vollzählig. Es geht auf zu den Pferden. Die Pferde haben an dieser Schule eine ganz besondere Bedeutung: Hier wird ausschließlich Westernriding und natürlich der Umgang mit Pferden generell gelehrt. Besonders für Schüler, die Schwierigkeiten haben sich unterzuordnen, die aus schlechten sozialen oder finanziellen Verhältnissen kommen ist dies sehr hilfreich. Mit viel Spaß und schnellem Erfolg lernen sie Verantwortung zu tragen, lernen aber auch Liebe und Fürsorge kennen. So haben auch sie eine Chance sich im Erwachsenenleben zurechtzufinden. Während nun also die einen ihre Standhaftigkeit auf einem Pferd testen dürfen, wird den anderen gezeigt, wie Partnerschaft und Bodylanguage beim Westernriding gelehrt / trainiert werden und funktionieren. Nach einer Frühstückspause und nachdem eifrig auf Blechpferden das Lassowerfen geübt wurde, werden die Gruppen getauscht. Sehr lieb und umsichtig wird uns von Anfang an gezeigt, wie mit den Pferden umzugehen ist, wir lernen zu traben, uns um uns selbst zu drehen, in die Reihe einzuordnen und nicht zu letzt läßig zu lächeln. Wir haben dabei wirklich viel zu lachen, uns gegenseitig auf den Pferden sitzen zu sehen.Nun geht es an den Kühen vorbei zu dem gerade neu eingerichteten Schulmuseum. Eine witzige, aus Deutschland kommende, inzwischen aber ehemalige Schülerin, Lehrerin und Sekretärin dieser Schule, erzählt uns ein bischen über die Schule:1934, also noch lange vor der Staatsgründung 1948, wurde die Schule von einigen privaten Landwirten für ihre Kinder gegründet. Damals existierten bereits zwei landwirtschaftliche Schulen, an denen man allerdings kein Abitur absolvieren konnte. So entstand die erste landwirtschaftliche Schule mit landwirtschaftlichem Schwerpunkt und der Möglichkeit die Abiturprüfung abzulegen. Dadurch verlängerte sich die Schulzeit von vier auf fünf Jahre. Nachdem der israelische Staat gegründet wurde, und die allgemeine Wehrpflicht für 18jährige eingeführt wurde, traten natürlich Schwierigkeiten auf, da nun die Schulzeit zu lang war. Inzwischen ist die Schülerzahl von anfänglich 30 - 40 auf 1800 (mit ca.130 Internatsplätzen) gestiegen. Die Schule ist nach Benjamin Rothschild benannt, ein einflußreicher, wohlsituierter Jude, der die Schule finanziell unterstützte.
Bis zum Lunch im diningroom verbrachten wir noch ein paar Minuten auf dem sonnigen, grünen Schulhof. Das Essen war, obwohl hier für 2000 Personen gekocht wird gar nicht so schlecht. Es kann gewählt werden zwischen Suppe, Nudeln oder Gulasch. Zu jedem Gericht werden Weißbrot und Tomaten angeboten, zum Nachtisch gibt es einen leckeren Apfel.
Nach dem Essen sind wir offiziell entlassen. Den Nachmittag verbringt jeder mit seiner Gastfamilie. Einige fahren zum Strand oder zum Einkaufszentrum nach Hadera. Auch der Abend wird durch die Gastfamilien gestaltet.

12.03.'99

Wir trafen uns wie gewöhnlich um 7:30h in der Schule. Nach einigen Verspätungen ging es endlich los nach Cäsarea, wo sich die wichtigsten archäologischen Ausgrabungsstätten Israels befinden. Auf dem Weg zu den Ausgrabungsstätten fuhren wir durch das heutige Cäsarea, einem Villenort, wo einige der reichsten Menschen Israels leben.
Die in der Antike wichtigste Hafenstadt Palästinas wurde von Herodes zu Ehren Cäsars gegründet. Das Trinkwasser gelangte über einen 17km langen Aquädukt in die Stadt. Unter Anderem gab es in Cäsarea noch ein römisches Dampfbad, den Hafen und das Amphitheater, das 5000 Zuschauer faßt und noch heute für Theateraufführungen genutzt wird. Die Ausgrabungen sind jedoch bis heute noch nicht beendet. Hobbyarchäologen und Archäologen aus aller Welt kommen jedes Jahr hierher, um weitere Teile der Stadt auszugraben.
Nach der Besichtigung Cäsareas besuchten wir den Kibbuz Gan Shmuel (Kibbuz zu ehren von Shmuel [Schmidt]). Gan Shmuel war einer der ersten Kibbuzim in Palästina und ist bis heute einer der letzten, an denen noch die ursprünglichen sozialistischen Ideale der Zionismusbewegung zu erkennen sind. Hierzu gehört die Tatsache daß Grundnahrungsmittel frei erhältlich sind, daß Luxusgüter (wie Zigaretten, Schokolade, Alkohol usw) nicht mit Geld; sondern per Liste mit der Arbeit im Kibbuz abgegolten werden und sichere Arbeit und Wohnung für jeden Kibbuznik, Haupteinnahmequelle des Kibbuz ist die, alles überragenden, Saftfabrik in der Saftkonzentrate hergestellt werden, die in die ganze Welt von einer Kibbuz-eigenen Abteilung importiert werden. Auch diese Fabrik macht Gan Shmuel zu einem Sonderfall, denn er ist einer der letzten Kibbuzim in Israel, der sich noch eigenständig, ohne fremde Hilfe tragen kann.Unser (ehemals) deutscher Führer zeigte uns außer allem was er uns erzählte noch den Kuhstall und die Fischzuchtanlagen, die mich in ihrer Größe und der Menge von Fischen wirklich fasziniert hat. Auch die Fische werden vom Kibbuz aus in die ganze Welt verkauft, insbesondere nach Japan.
Den frühen Sabbatabend verbrachten wir wieder in den Familien, den späten zum großen Teil auf Parties mit den Israelis.
Nina und Jo

Tagesbericht vom 13.3.99

Mein letzter Tag in Israel stand ganz im Zeichen der religiösen Bedeutung des Wochentages auf den mein Abschiedstag gefallen ist. Einem Samstag.In den 10 Geboten steht unter anderem Ehre den Shabbat und als ein guter Christenmensch der nach ganzen Herzen versucht war sich in die israelisch - jüdische Gesellschaft einzufügen achtete ich das Gesetz, indem ich meine zu besorgenden Gänge auf den Pendelverkehr -zwischen Fernseher und Küche beschränkte, wo ich, Tsabar und Meychell (seine Freundin) unsere Zeit miteinander verbrachten und im Angesicht von Beverley Hills 90210 u.ä. eine hitzige Diskussion über die sich auf alle Bereiche der amerikanischen Gesellschaft ausbreitende Dekadenz führten, die nur durch das abwechselnde Einschlafen einer der Diskussionsteilnehmener unterbrochen wurde. Doch kein Shabbat ohne abendfüllendes Dinner. So brachen wir gegen 18 Uhr zu Tsabars Vater auf, der ein Shabbatdinner der besonderen Art vorbereitete hatte, da dieses Essen unter anderem zum Gedenken an Tsabars Großvater stattfand, der einige Wochen vor meiner Anreise verstorben war. Die Verwandten von Tsabar nahmen mich sehr herzlich in ihrer Mitte auf. Wir boten gemeinsam jeder auf seine Art), brechen das Brot und tranken den Wein. Bisher hatten die Shabbatgebete vor dem Essen für mich eher einen formellen Charader, doch Tsabars Vater zelebrierte diesen Akt durch den Gesang des Gebetes und dem Umfeld das er dafür auf dem Tisch geschaffen hatte, was diesem einfachen Gebet eine für mich bisher unbekannte Feierlichkeit verlieh. Während ich mich noch mit der Klops, abkämpfte, die durch meine im Gespräch mit den Anwesenden erwachte Körpersprache keine Situation ungenutzt ließ, sich von meinen Kopf zu lösen, fuhr Tsabars Vater ein 5 Gänge Menü auf, bei dem er mir gegenüber besondere Aufmerksamkeit aufbrachte, die sich zu meinem Leidwesen darin äußerte, daß ich doppelte Portionen gereicht bekam. Für Verwunderung sorgte ich bei Tsabars Onkel, als ich ein angebotenes Bier dankend ablehnte. Daraufhin erläuterte er mir, daß ich ein Deutscher sei, daß es in Deutschland mehr als 1300 Biersorten gebe und Deutschland an zweiter Stelle auf der Welt beim Biertrinken stehe und er es als einen Akt der Unhöflichkeit ansehen würde, wenn ich nicht mit ihm das (13er-)Glas hebe. Also ergab ich mich dieser schlüssigen Argumentationskette und es verging seitdem keine Äußerung von ihm oder mir, die nicht mit einem Glasheben, sowie einem inbrünstigen "Shabat Shalom!" verbunden worden wäre. Gegen 20.00 Uhr verließen Tsabar und ich die fröhliche Runde und machten uns auf den Weg zur Farewell Party. Die Ereignisse von dort sind einschlägig bekannt. Doch da ein paar Leute sich das Gerstensaftes und dem billigsten Produkt der Erdfrucht enthalten haben steht es diesen wenigen wohl zu, diese Party in ihrer Gesamtheit zu beschreiben und zu bewerten: Obwohl ich damals noch nicht auf irdischen Füßen auf dieser Erde gewandelt bin, so erinnerte mich diese Party doch an die Erzählungen meiner Eltern von den Wilden Studentenfeiern ihrer Zeit. Resümierend kann ich zu diesem Ereignis nur sagen, daß ich meinen Spaß hatte auch wann sich meiner, von dem der anderen etwas unterschied, da bestimmte Beinverdreheraktionen und durch "Minderte physische als auch geistige Motorik entstandene Situationen einem gewissen Humor nicht entbehrten. Zudem nutzte ich die Zeit mich ausgiebiger mit Ort und Alon zu unterhalten. Doch ,in Laufe des Abends wechselte ich vom Zuschauen und Totlachen, zum Prinzip der Schadensbegrenzung. Doch die Faktoren des letzten gemeinsamen Tages und die ungewöhnlich hohe Konzentration von Ethanol auf einen vergleichsweise kleinen Raum, führte zu einer soziologischen maxima constellatio, an deren Ende wir Deutschen ihrer Rolle als passionierte Ballermann 6 - Nation gerecht wurden. Ehre dem, wem Ehre gebührt! Soll ein jeder selbst darüber nachdenken was er für den Ausgang dieses Abends beigesteuert hat. Ich bedaure, neben dem entstandenen Schaden, die nächste Reisegruppe, die sich möglicher Einschränkungen aufgrund von den mit uns gemachten Erfahrungen unterwerfen muß. Gegen ein Uhr morgens wurde die Party aufgelöst und zum Glück kam just in diesem Augenblick Tsabar um mich abzuholen. Des Schlafens waren wir beide nicht mehr willig, da die Abfahrt um 4 Uhr von der Schule losging . So kamen Ire und Nafar (ihm Gastgeberin) mit zu Tsabars Haus, wo wir die Zeit mit Kaffee trinken, Fernsehen und Unterhaltungen bis zur Abfahrt überbrückten.

Tagesbericht von Sonnabend, den 13.3.99

Endlich wieder Shabatt , endlich mal wieder ein bißchen länger schlafen ! Sonnabend der 13.3. - unser letzter Tag in Israel! Am besten gar nicht drüber nachdenken wie das Wetter in Berlin wohl ist.
Die Beschäftigungen an diesem Tag beschränkten sich bei einigen (vielen) aufs Ausschlafen. Die anderen nutzten die Zeit um mit ihren Gastfamilien etwas zu unternehmen. Mittags durften wir beim Shabattessen noch eimal die köstliche israelische Küche in aller Reichlichkeit genießen.
Danach war in den meisten Fällen Kofferpacken angesagt und wieder stellte sich die bange Frage wie das Wetter in Berlin wohl sei. Am besten gar nicht drüber nachdenken und an den Strand fahren, Fußball spielen gehen oder einfach nur noch mal ausspannen.
Am Abend trafen wir uns alle zu einer Abschiedsparty bei der Gastfamilie von Jo, Katrin und Lucija. Nachdem der Schulleiter Boaz Schulruf und Herr Riegel kurze Reden gehalten hatten kamen auch einige Schüler beider Seiten zu Wort. Der allgemeine Tenor dieser Reden war das es ein harmonischer Austausch war, der den meisten Beteiligten viel Freude bereitet hat.
Endlich wurde das Barbeque eröffnet und wir konnten ein letztes Mal Pita mit Humus essen. Nachdem sich die Lehrer zurück;gezogen hatten stießen wir nochmal auf die schöne Zeit die nun hinter uns lag an. Einigen hat es außerordentlich gut gefallen - zumindest "stießen" sie etwas häufiger an. Dies lockerte allerdings auch die Atmosphäre auf und die Völkerverständigung klappte , wie auch zuvor, sehr gut.
Bis dahin hatte niemand größere körperliche Blessuren erlitten doch übersah Timo beim Sprung auf eine Mauer einen Wasserhahn. Konsequenz war, daß er am Montag mit Krücken zur Schule kam.
Gegen 24 Uhr mußten wir unsere Zelte abbrechen, da die Israelis am nächsten Morgen zur Schule mußten. Da wir aber am nächsten Morgen um 4 Uhr in der Schule sein mußten war die Meinung das sich schlafen eh nicht mehr lohnt weit verbreitet. Also zogen wir noch ein Weilchen durch Pardes-Hanna bevor wir zum vorerst letzten Mal das Haus unserer Gastfamilien betraten und zur Schule gebracht wurden.