Ostern 1908 wurde eine Höhere Mädchenschule im Gebäude der 2. Gemeindeschule in der Seydlitzstraße mit 38 Schülerinnen eröffnet. Sie wurde von Rektor Noth nebenamtlich verwaltet und bereits 1910 - bei 130 Schülerinnen und 10 Lehrkräften - zehnstufig als Lyzeum ausgebaut. Dem Rektor Noth blieb die Anerkennung seiner Verdienste um diese Schule wie auch um die Entwicklung des Lankwitzer Schulwesens im allgemeinen dadurch versagt, daß Ostern 1911 zum ersten Direktor des Lyzeums der Oberlehrer an der Kadettenanstalt in Groß-Lichterfelde, Prof. Dr. Hermann Schirdewahn, berufen wurde.

In Form eines Reliefs wurden die Musen der Musik, der Dichtkunst und des Tanzes durch Kinder dargestellt.
Im letzten Feld waren Faune zu sehen, mit verzerrten Gesichtern, sich die Ohren zuhaltend, wahrscheinlich um dem Kindergeschrei zu entfliehen.
Dem Lyzeum, das inzwischen von etwa 230 Schülerinnen besucht wurde, war eine Frauenschule mit einem Kindergarten angegliedert. Im Seitenflügel des Schulgebäudes waren seit Ostern 1923 die Mädchen der 2. Mittelschule aus Steglitz gastweise untergebracht, während sich die Knabenabteilung im Gebäude der 16. Volksschule befand.
Der Hausfrauenverein Berlin-Lankwitz forderte 1924/25 eine Frauenschule mit gründlicher "Berufsausbildung der Hausfrau und Mutter und Durchgeistigung ihrer gesamten Tätigkeit". Dieser Forderung stimmten im September 1926 die Bezirksverordneten zu. Die Schule hatte nun zwei Leiter: Direktor Dr. Wilhelm Ademeit für die Schule und Frau Oberin Valeska Schmidt für die Frauenschule. Direktor Ademeit beantragte 1929, statt der einjährigen eine dreijährige Frauenoberschule mit Abitur einzurichten; aber der Ausschuß für Planwirtschaft in Berlin lehnte ab. Der Bürgermeister von Steglitz und der Oberbürgermeister der Stadt Berlin sorgten wenigstens - welch Dreistigkeit im Gerangel der Kompetenzen - für die Einrichtung einer Unterprima. Erst im November 1936 stimmte das Ministerium zu. Die Schülerinnenzahl der Frauenoberschule war inzwischen von 44 auf 190 Mädchen gestiegen.
Im August 1938 hieß das Lyzeum Auguste-Sprengel-Schule, benannt nach der 1920 verstorbenen Pädagogin, die seit Anfang des Jahrhunderts in Berlin sozialpädagogisch tätig war. Ostern 1939 fand die erste Abiturprüfung statt. Die Schule war nun eine komplette Oberschule für Mädchen mit hauswirtschaftlichem Zweig. In ihr wurden 465 Schülerinnen unterrichtet. Insgesamt sollte die Schule zu sozialer Verantwortlichkeit erziehen.

Die Schule im Nationalsozialismus
Direktor Dr. Ademeit hat in seinem Jahresbericht 1933 festgehalten - dieser Bericht ging übrigens auch an das Ministerium -, daß ein Kollege wegen grundloser Denunziation beim stellvertretenden Gauleiter gegen den Widerstand der Schule und Schulverwaltung versetzt worden sei und daß eine Kollegin entgegen der Forderung der Schule als "Nichtarierin" nicht Religion, Deutsch und Geschichte, sondern Rechnen, Französisch und Biologie unterrichten müsse. Er erwähnte auch, daß ein Elternbeirat aufgrund unterstellter "sozialistischer" Vorschläge nach dem Ministererlaß vom 3. Mai 1933 noch im Mai desselben Jahres ausscheiden mußte. Es war Beschwerde von Seiten der Eltern eingegangen.
Eine Studienrätin mußte aus dem Dienst ausscheiden, weil ihr Mann Einkommensempfänger war. Frauen als "Doppelverdiener" verloren ihre Arbeit.
1933 hatte die Schule 400 Schülerinnen, von ihnen waren 205 Mitglieder des Chores, 53 erhielten Instrumentalkunde, 61 nahmen am Werkunterricht teil, 57 übten sich in Kurzschrift und die Ruderriege bestand aus 38 Schülerinnen. Die typisch schulbezogenen Aktivitäten liefen also 1933 weiter. Wie in fast allen Bereichen des täglichen Lebens beeinflußte der Nationalsozialismus auch das Schulleben. Das Widerstreben im Kollegium gegenüber den neuen Machthabern und Behörden war spürbar, aber ihrem Zugriff konnte die Schule sich nicht entziehen, zumal Schülerinnen, von denen am Ende des Schuljahres etwa ein Drittel dem "BDM" angehörten, und Eltern mit dem Regime sympathisierten. Von 20 Kollegen der Schule waren anfangs 5, später unter Druck, weniger freiwillig, etwa gut die Hälfte Mitglieder in der NSDAP. 1937 wurden die jüngeren Kollegen nacheinander zu sechswöchigen Militärübungen eingezogen. 1939 erklärte der neue Oberstudiendirektor Dr. Fischer, daß es immer sein Bestreben sein werde, eine enge Verbindung der Schule mit der Partei und ihren Gliederungen herzustellen. In diesem Jahr sollten 87 % der Schülerinnen Jungmädel oder Mitglieder im "BDM" gewesen sein.
Seit dem 1. September 1939 mußten, weil Luftangriffe befürchtet wurden, die Lehrer in der unterrichtsfreien Zeit, auch nachts, Wachdienste durchführen. Auch mußten immer mehr Lehrer zum Wehrdienst. Aus Kohlemangel wurde die Schule im Spätherbst 1939 geschlossen. Lehrer und Schüler zogen in die Seydlitzstraße um, wo schon seit 1910 ein Teil der Schüler der überfüllten Schule unterrichtet wurde. Ostern 1940 kehrten alle ins eigene ins eigene Schulgebäude zurück. Mit den zunehmenden Luftangriffen wurden die Kinder, begleitet von ihren Lehrern, für ein Jahr in Ferienlager geschickt.
Im Winter 1941/42 mußten wieder verstärkt Nachtwachen gehalten werden, während die Lehrer nun häufiger bei zu sachfremden Dienstleistungen eingezogen wurden, sei es zum städtischen Verwaltungsdienst, sei es zur Aufsichtsführung auf den Ferienplätzen. Schließlich vollzog sich die Auflösung des Kollegiums. Wer sich nicht freiwillig zur Wehrmacht meldete, wurde bald darauf von Amtswegen "versetzt". Im Sommer 1943 wurde die 8. Volksschule geschlossen.
Bereits 1942 war bei einem Bombenangriff die Turnhalle ausgebrannt. In der Nacht vom 23./24. August 1943 blieb zwar das rote Schulhaus von der Zerstörung verschont, doch die Baracke nebenan stand sofort in Flammen. Auch das gelbe Schulhaus mit seinen acht Klassenzimmern, dem Werk- und Handarbeitsraum konnte nicht gerettet werden – die Hauptwasserleitungen waren zerstört. Die Schule wurde nun vom Roten Kreuz genutzt, um Ausgebombte mit Essen zu versorgen.


1945 wurde Frau Oberin Schmidt kommissarische Leiterin der Schule. Sie sollte den Unterricht organisieren, so gut es, den Verhältnissen entsprechend, möglich war. Die Lehrer, die sie zusammensuchte, besserten zunächst das Gebäude aus, so daß schon am 5. Juni 1945 74 Schülerinnen im Wechsel mit einem Realgymnasium wieder Unterricht erhielten. Am 3. August 1945 hatte die Schule 21 Klassen und 8 Räume, in denen 13 Lehrer unter schwierigen Bedingungen arbeiteten. Ihr körperlicher Zustand war zum Teil besorgniserregend; dies galt auch für die Schüler. Der Unterricht wurde vor- und nachmittags schichtweise erteilt. Er litt unter dem Mangel an Lehrern und an Lehrmitteln, aber noch mehr beeinträchtigt wurde er durch mangelndes Licht und fehlende Kohlen im Winter. Daher wurde der Unterricht ab und zu unterbrochen, damit vor allem die Schüler sich durch Turnübungen im Klassenraum erwärmen konnten.
Von den amerikanischen Streitkräften wurden Schulspeisungen organisiert; die Schüler erhielten eine warme Mahlzeit und Vitamin-C-Tabletten. Die Lehrer wurden außer bei Schulungs- und Umschulungsseminaren auch bei Viehzählungen oder öffentlichen Inventurprüfungen in Lebensmittelgeschäften beansprucht.
Im "Blockadewinter" 1948/49 belegte die "Pädagogische Akademie West" das Gebäude. Schülerinnen und Lehrer mußten zur Schule an der Seydlitzstraße ausweichen.
1948 wurde die Auguste-Sprengel-Schule umbenannt in 8. Oberschule Wissenschaftlichen Zweiges und nahm von 1950 an auch Jungen auf. In diesem Jahr übergab Frau Oberin Schmidt die Leitung der Schule an Herrn Direktor Zabrocki. Bis 1951 waren 13 Klassen in der Schulstraße, 4 in der Pädagogischen Hochschule und 3 der Barbarastraße untergebracht. Erst 1953 hörte der Schichtunterricht auf, 1954 wurde die Turnhalle des Gymnasiums aufgebaut. Das "neusprachlich-mathematisch-naturwissenschaftliche Gymnasium" erhielt auf eigenen Wunsch 1954 den Namen "Beethoven-Oberschule".
Seit 1957 regten sich verstärkt reformerische Kräfte, die das Schulwesen anders gestaltet wissen wollten. Aber auch außerhalb des Bildungsbereichs wurden Fragen gestellt, wie eine bessere Demokratisierung unserer Gesellschaft zu erzielen sei. Daraus entstand in den 60er Jahren so etwas wie eine Aufbruchs- bzw. Umbruchstimmung. Sie erfaßte auch die Schulen und veränderte die bis dahin üblichen Verhaltensmuster.
Gegensätze brachen auf, die z.B. an dieser Schule zu Verhärtungen wie auch schmerzlichen "Neufindungsprozessen" führten. Die sich seit 1966 verschärfenden Konflikte zwischen Schulleiter auf der einen und Schülern, Eltern und Kollegium auf der anderen Seite führen zur Abberufung des Schulleiters (1969) und unter dem neuen Schulleiter zur Einrichtung einer "Erweiterten Schulleitung".
Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre gingen in Berlin die neuen Rahmenpläne für Unterricht und Erziehung in Druck, wurde die Hauptschule durch Arbeitslehre (Hinführung zur Praxis) reformiert, sollte die Verfassung der Berliner Schule neu festgelegt werden (Schulverfassungsgesetz), war die Gesamtschulplanung so weit, daß mit dem Bau dieser Schulen begonnen werden konnte, und sind Modelle für die reformierte gymnasiale Oberstufe in der Diskussion oder werden versuchsweise praktiziert.
Da alle Gremien des Beethoven-Gymnasiums – insbesondere die Schüler – von der Neugestaltung der gymnasialen Oberstufe überzeugt waren und die Raumausstattung der Schule für die andrängenden Schülerjahrgänge ohnehin eine andere Organisationsform erforderlich machte, konnte nach den Sommerferien 1971 mit entsprechenden Vorarbeiten begonnen werden.
Im Januar 1972 beschloß die Gesamtkonferenz ein Pilotprojekt mit Grund- und Leistungskursen sowie ausgearbeiteter Organisations- und inhaltlicher Angebotsplanung, dem die Senatsverwaltung für Schulwesen stattgab, so daß die neue gymnasiale Oberstufe im Schuljahr 1972/73 eingeführt werden konnte.
Ausbau, Umgestaltung und neue Konzepte
Langjährige Vorarbeit der Schule, sachkundig unterstützt durch den Vorsitzenden der Gesamtelternvertretung, Herrn Arndt, führte wegen der steigenden Schülerzahl dazu, daß das Projekt eines Schulerweiterungsbaus und die Aufstellung einer neuen Turnhalle vom Bezirksamt und dem Senator für Schulwesen unterstützt, 1974 im Abgeordnetenhaus die finanzielle Absicherung erhielt. Im Schuljahr 1975/76 wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Die sogenannte Ölkrise wirkte sich aber dahingehend aus, daß das Gesamtprojekt um 1,5 Millionen DM zusammengestrichen wurde und schlanker ausfiel als geplant.
Die Bauarbeiten machten die Zuweisung einer Filiale erforderlich, um Teile der Schülerschaft in ihr unterrichten zu können. Diese Filiale blieb jedoch der Schule bis zum 1. Februar 1984 erhalten, weil die Schülerzahl zwischenzeitlich auf über 1000 Jungen und Mädchen angewachsen war. Der im Schuljahr 1978/79 fertiggestellte Erweiterungsbau erlaubt nur eine Gesamtschülerzahl von ca. 800 und konnte die über 1000 Schüler deshalb nicht auffangen.
Auch das Computerzeitalter ergriff nun von der Schule Besitz. Die jungen Leute sollten nicht an der technischen Fortentwicklung vorbei unterrichtet werden, weshalb die Schule das Fach Informatik in das Unterrichtsangebot aufnahm und den gesamten naturwissenschaftlichen Gerätebestand nach den Ansprüchen von heute modernisiert. Für den modernen deutsch- und fremdsprachlichen Unterricht wurde die Ausstattung ebenfalls erneuert.
Insgesamt veränderten sich auch die pädagogischen Intentionen. Für Bildung und Erziehung wurde der Wert internationaler Begegnungen als besonders wichtig erkannt, für die Freizeitgesellschaft, die sich inzwischen entwickelt hatte, sollten die Jugendlichen verstärkt vorbereitet werden, um Alternativen zu den Versuchungen dieser Freizeitgesellschaft entwickeln zu können. So konnte zwar an die Tradition der Schule angeknüpft werden, aber Schulreisen, Arbeitsgemeinschaften und Schulveranstaltungen erhielten einen anderen Stellenwert. Und die Jungen und Mädchen unterstützen, wie auch ihre Eltern, dieses pädagogische Bemühen.
Das "Darstellende Spiel" z. B., das in das Unterrichtsangebot der Schule aufgenommen wurde, eröffnet Schülerinnen und Schülern eine Vielzahl neuer Ausdrucksmöglichkeiten für ihre Zweifel, Sorgen, Ängste, kritischen Beobachtungen und Hoffnungen. Sie lernen übend, wie schwierig es ist, das, was sie ahnen, empfinden, denken, was aber noch ungestaltet ist, zu gestalten, anderen vorzustellen, ihre Reaktion zu verarbeiten und neue Impulse in ihr Gestalten einzubeziehen. Probenarbeit verlangt einen anderen Umgang mit Freizeit, erfordert Disziplin, die Fähigkeit, mit sich klar zu kommen, wenn man an Grenzen stößt, Alternativen zu entwickeln, mit Verzweiflung fertig zu werden, seine Ausdrucksmittel zu präzisieren und innerlich frei zu werden, damit Impulse und Vorschläge der Mitspieler aufgegriffen werden können, sich Freude einstellt im gemeinsamen Tun und das Spiel gelinge.
Seit 1982 führen die 10. Klassen Berufspraktika durch. Sie dienen dazu, Einblick in berufliche Tätigkeiten und in Berufsfelder zu gewinnen.
Die Oberstufe soll auf ihren Studienreisen weniger eingefahrene Techniken des Tourismus übernehmen, als den angehenden Abiturienten die Augen öffnen für ausländisches Selbstverständnis und für Probleme in ihrer geschichtlichen Entwicklung und aktuellen Bedeutung. Das Infragestellen eigener Einschätzungen, Empfindungen und Urteile soll dazu führen, die Einschätzungen, Empfindungen und Urteile anderer zu berücksichtigen. Da alle Regionen dieser Erde aufeinander angewiesen sind, sollte den Schülern wenigstens an einigen Beispielen deutlich gemacht werden, daß das Mitempfinden und Mitdenken eine Voraussetzung für die Entwicklung eines menschenwürdigen Daseins ist.
Ob sich Schüler in Schweden für das Sozialsystem interessieren, ob sie in Griechenland mit der besonderen Situation dieses Landes, auch historisch gesehen, vertraut gemacht werden, ob Chor und Orchester in Wales, in Yorkshire, Dänemark mit den Gastgebern zusammen musikalische Veranstaltungen durchführen und zur Unterstützung privater sozialer Einrichtungen musizieren, ob Schüler in Italien nicht nur kulturgeschichtliche Erfahrungen sammeln, sondern sich auch als Deutsche aktuellen Problemen stellen, ob sie in Ungarn mit besonderen Formen sozialistischer Lebensgestaltung konfrontiert oder ob Partnerschaften mit dem Distrikt 12 in Paris und mit Dijon unterhalten werden, oder ob sich Sportgruppen außerhalb Berlins im Wettstreit begegnen: immer ist zwischenmenschliche Begegnung im Spiel, wird Gedankenaustausch möglich, ist Selbstkritik gefordert, wird der historische Horizont erweitert und die Gegenwart in ihrer Bedürftigkeit wie in ihrer Veränderbarkeit erfahren.
Seit 1973 unterhält diese Schule, aus persönlichen Begegnungen erwachsen, eine Partnerschaft mit der Landwirtschaftlichen Oberschule in Pardes Hanna in Israel, um gegenseitiges Verstehen zu ermöglichen und um Vertrauen zu stiften zwischen den heranwachsenden Nachkriegsgenerationen.